Spektrum-Nutzung

Bei der Spektrumnutzung gibt es Primär- und Sekundärnutzer. Broadcast bzw. TV ist im UHF-Band primärer Nutzer. Funkmikrofone sind Sekundärnutzer und haben keine Rechte bzw. Ansprüche. Sie müssen ausweichen bzw. tolerieren, wenn der Primärnutzer die Frequenz benötigt. 5G bzw. Mobilfunk ist neu ebenfalls Sekundärnutzer des UHF-Bands. 5G muss dem Broadcast ausweichen, ist aber viel stärker, sodass Funkmikrofone nochmals ausweichen müssen. Im DECT- und ISM-Band gibt es Koexistenz. Bei freiem Zugang dürfen alle legalen Geräte das Band nutzen. Niemand hat Exklusivrechte. Die Behörde garantiert keine Verfügbarkeit. Eine mögliche Überfüllung kümmert die Behörde nicht. Geräte dürfen bzw. müssen sich selbst organisieren, z. B. durch automatisches Frequenz-Hopping. Das machen unter anderem Audio-Technica System 20 Pro & ESW und Bluetooth, WLAN aber nicht. Bei Exklusiv-Nutzung ist ein Band nur für eine Anwendung vorgesehen. Die Behörde regelt bzw. limitiert den Zugang und überwacht die Einhaltung. Beispiele sind Flugfunk 118–137 MHz und UKW-Radio 87,5–108 MHz.


Arten von Bewilligungen

Generelle Bewilligung

Bei einer Generellen Bewilligung ist die Nutzung grundsätzlich erlaubt und kostenlos, wenn die technischen Bedingungen eingehalten werden. Geräte mit CE-Zeichen und Konformitätserklärung dürfen ohne gesonderte Anmeldung bzw. Anzeige in Betrieb genommen werden. Mit der Konformitätserklärung bescheinigt der Hersteller, dass das Produkt den Anforderungen gemäß Vorschrift entspricht und übernimmt die Verantwortung. Die Behörde prüft nicht extra. Es handelt sich nicht um eine „Zulassung“, sondern um das Vertrauen auf die Konformitätserklärung. Die Behörde kann die Erklärung für ungültig erklären und den Marktzugang verbieten. Der Kunde kann darauf vertrauen, dass das Produkt legal ist, wenn eine Konformitätserklärung vorhanden ist.

Funk-Schnittstellenbeschreibungen

Funk-Schnittstellenbeschreibungen enthalten die technischen Bedingungen je Frequenzband. Dazu gehören Anwendungszweck bzw. Application, Frequenzband, maximale Sendeleistung, Kanalbelegung, der anzuwendende technische Standard, z. B. EN 300 422, und etwaige Zusatzanforderungen, z. B. nur Indoor erlaubt

Im folgenden Excel Sheet haben wir alle relevanten Informationen gesammelt:
Funk-Schnittstellenbeschreibung-TREMTEC-AV.xlsx

.Anzeigepflicht

Anzeigepflichtig war die Nutzung nur bis April 2026 bei UHF-Funkmikrofonen, jetzt nicht mehr. Legale Produkte dürfen in Betrieb genommen werden, müssen aber angezeigt werden. Die Behörde wird darüber informiert. Die Eingabe ist gebührenpflichtig. Es handelt sich nicht um einen Antrag, der bewilligt wird, sondern um eine Anzeige, die passiv zur Kenntnis genommen wird.

Individuelle Bewilligung

Bei einer individuellen Bewilligung ist ein Ansuchen bei der Behörde nötig. Die Behörde prüft und erlaubt oder nicht je Einzelfall und stellt unter Umständen Bedingungen. Temporäre Großevents wie die Formel 1 bekommen Spezial-Frequenzen oder erhöhte Sendeleistung. Audio ist in einem kleinen Teil des UHF-Bands ein Pseudo-Primärnutzer. Sehr wenige VIP-User wie die Staatsoper haben „zugesicherte UHF-Frequenzen“. Die Behörde koordiniert, dass der eigentliche Primärnutzer diese Frequenzen eher nicht nutzt. Dies ist ein „Gentlemen Agreement“.

Bänder für Funkmikrofone

Für Funkmikrofone sind verschiedene Bänder relevant. Weit verbreitet und in Österreich generell bewilligt sind das ISM-Band mit 863–865 MHz und 2,4 GHz, das DECT-Band mit 1880–1900 MHz und das UHF-Band mit 470–694 MHz.

Erlaubt, aber exotisch, veraltet und/oder kaum bzw. nicht in Verwendung sind die LTE-Duplexlücke mit 823–832 MHz, das VHF-Band mit 174–216 MHz und 230–250 MHz sowie obere UHF-Fragmente mit 694–703 MHz, 733–758 MHz und 788–790 MHz. Ebenfalls generell bewilligt sind 1350–1400 MHz, 1517–1525 MHz und 1785–1804,8 MHz. Teilweise gibt es starke Einschränkungen, z. B. nur Indoor oder begrenzte Sendeleistung. Der Bereich 960–1164 MHz ist individuell bewilligt. Hier gibt es starke Einschränkungen, weil ADS-B-Flugfunk und Military Aircraft Communication vorhanden sind.

Economy-Bänder

LTE-Lücke / Freeband 863–865 MHz

Bei den Economy-Bändern bietet die LTE-Lücke bzw. das Freeband 863–865 MHz nur wenige mögliche Kanäle und ist für ganz einfache Systeme geeignet. Das Freeband ist oft problematisch, beispielsweise durch Garagentüröffner, SmartHome, Handfunkgeräte und Modellautos. Die LTE-Lücke ist mit Vorsicht zu nutzen, da LTE-Sender in der Nähe stören können. Dadurch gibt es noch weniger stabile Kanäle.

ISM-Band 2,4 GHz

Das ISM-Band bei 2,4 GHz ist erstaunlich betriebssicher, wenn es richtig gemacht ist, beispielsweise beim System 20 Pro. Eine Frequenzplanung ist nicht nötig, da eine automatische Frequenzwahl im laufenden Betrieb erfolgt. Die Reichweite beträgt ca. 50 Meter und ist eher nicht für Outdoor, z. B. Sportplätze, geeignet. In der Praxis sind mindestens 10 Kanäle pro Raum möglich, theoretisch bis zu 20 Kanäle.

UHF-Band – Das Profi-Band

Das UHF-Band ist das Profi-Band. Es ist sehr viel Spektrum vorhanden, nämlich 470–690 MHz. Viele Kanäle sind möglich, beispielsweise für In-Ear-Monitoring, Funkmikrofone und Standort-LINKs. Bei Mehrkanal-Systemen ist eine penible Frequenzplanung nötig. Ein automatischer Suchlauf ist nicht ausreichend. UHF-Systeme haben fix eingestellte Frequenzen und keine dynamische Vermeidung.

Der Frequenzbereich ist optimal für diese Anwendungen. Er durchdringt Wasser bzw. Menschen und dünne Wände viel besser als höhere Frequenzen wie 1,9 GHz DECT bzw. 2,4 GHz ISM-Band. Dadurch ergibt sich eine hohe theoretische Betriebssicherheit. Bei guter Antennenplatzierung ist eine sehr hohe Reichweite möglich, weil die Luftdämpfung niedriger ist als bei GHz. Ein Nachteil sind Überreichweiten durch die hohe Reichweite und gute Durchdringung, beispielsweise Probleme bei Universitäten mit vielen Räumen nebeneinander.

DECT-Band

Das DECT-Band wurde ursprünglich für Schnurlos-Telefone entwickelt. DECT steht für „Digital Enhanced Cordless Telecommunications“. Viele Kanäle sind gleichzeitig möglich. Durch die hohe Sendeleistung und die „praktische“ Frequenz sind hohe Reichweiten und Zuverlässigkeit möglich. Eine λ/4-Antenne ist ca. 4 cm lang. Eine Frequenzkoordination ist nicht nötig. Spezialfunktionen wie Roaming sind möglich.

Das DECT-Band ist frei nutzbar, trotzdem ist praktisch fast immer ausreichend viel Spektrum verfügbar. DECT-Nutzer werden tendenziell weniger statt mehr. Telefonie steigt auf WLAN oder 5G um, für IT ist DECT zu schmal. Dann nutzen wir DECT. Es löst viele aktuelle Herausforderungen in der Praxis: automatische Frequenzverwaltung, keinerlei Planung nötig, und viele parallele Systeme in unmittelbarer Nähe, beispielsweise Universitäten, Schulen, Konferenzhotels und Trainings-Center. Aus AV-Sicht getrennte Anlagen sind aber nicht für Funkwellen getrennt.

Warum nicht alle Funkmikrofone per DECT?

DECT ist ungeeignet für Bühnenanwendungen. Die Latenz bei DECT ist mindestens 16 ms. Das ist sehr gut für Sprache und Konferenz, aber leider zu viel für Gesang, Musik und Bühne. AV-Systemintegration hat aber eigene Anforderungen. Nur weil DECT nicht optimal für die Bühne ist, kann es trotzdem bzw. gerade deshalb sehr gut für AV-Installationen geeignet sein.